Christine LU. Surma
Mensch und Hund in Beziehung
Leela Herausforderung Jagd

Hetzangeln – Gefahr oder Chance für die Mensch-Hund Beziehung?

Let’s hetz! Kurz und knackig zusammengefasst.

Hetzen ja, aber bitte mit Sinn und Verstand!

Was ich damit meine ist, vorher zu schauen, was für ein Typ ist dein Hund eigentlich? Was für Persönlichkeit hat er? Du solltest seine  Rasse-Eigenschaften nicht nur bedenken, sondern sie auch beachten. Ebenso das Alter deines Hundes, sowie seinen  Gesundheitszustand. Du solltest dir Gedaken darüber machen, welche Jagdsequenzen du nutzen kannst. Diese sollten möglichst vielfältig sein.

Vorab: Es wird nicht irgendein Dummy mit alten Socken gehetzt, sondern essbare Beute, die gepackt und verspeist werden kann.

Statt ständig Angst davor zu haben, dein Hund könnte selbstständig das Reh, die Ente, das Kleinkind anfangen zu hetzen, und sich damit unter Umständen eines schönen Tages selbstständig machen, biete ihm das großartige Gefühl, was beim Heten ausgelöst wird, doch einfach von dir aus an.

Die Sorge

Viele Menschen befürchten, dass der Hund durch die Arbeit mit der Hetzangel lernt zu jagen. Dass er sämtlichen bewegten Reizen hinter rennt, wie zum Beispiel Kaninchen, Bällen, Kindern, Joggern.

Es besteht oftmals die Sorge, dass die Gelenke zu stark beansprucht werden, kaputt und dass Hunde zum Adrenalin-Junkie werden.

Das sind absolut ernst zu nehende  Bedenken, mit denen ich dich hiermit etwas abholen möchte.

Die Realität

Hunde sind Beutegreifer. Jagen ist in ihren Genen angelegt, und somit ein natürliches Bedürfnis. Egal, ob du mit ihnen angelst oder nicht.

Hunde sind Hetzjäger, keine Schleichjäger, wie beispielsweise Katzen. Das Hetzten ist eine wichtige Sequenz ihres jagdlichen Aktivitäts-spektrums. Das Schleichen gehört nicht dazu, wenngleich der ein oder andere Hund Anschleichen zeigen kann.

Der Körper des gesunden Hundes ist also grundsätzlich auf das Hetzten ausgelegt und nimmt somit keinen Schaden.

Neben der Rassepezifikation und der Persönlichkeit gilt es grundsäzlich außerdem zu  beachten, dass es Hunde gibt, die mehr auf Kraft, und solche, die hauptsächtlich auf Schnelligkeit ausgelegt sind.

Das sollte immer Beachtung finden, egal, was du mit deinem Hund tust.

Regeln

Ein Baustein der verhindert, dass dein Hund zum Junkie wird, der impulsiv und undiffereneziert auf alles, was sich bewegt reagiert und losflitzt, sind Regeln. Regeln im Aufbau der Hetzjagd mit einer entsprechenden Reiz-oder auch Hetzangel.

Gehetzt wird nur ein bestimmter Beutyp/Beuteschema. Und das auf dein Signal.

Dein Hund lernt abzuwarten, mit dir ins Gespräch zu gehen, bevor es losgeht.

Außerdem hilft es, wenn du die Hetzjagd lediglich als ein Element von vielen weiteren in eure gemeinsamen Abenteuer einbaust. So wird dein Hund nicht auf nur eine Aktivität festgelegt, und entwickelt keine fixe Idee davon.  Sondern er erlebt ausreichend Abwechslung, und kann so seine unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen.

Flexibilität

Nutze nicht jedes Mal die Angel und variiere den Ablauf.

Mal hast du nur einen Stock mit einer Schnur dran. Mal findest du die Angel im Wald, ein anderes Mal hast du sie vielleicht einfach nur dabei,  jedoch kommt sie, wider Erwarten, garnicht zum Einsatz. Heute angelst du im Wald, morgen am Strand. Machmal ist das Angeln der Abschluss, manchmal findet ihr danach noch anderweitig Beute.

Du darst dafür sorgen, dass dein Hund sich fragt: Was passiert wohl als nächstes?“

statt „wann kann ich endlich wieder hetzen?“

Sucht vorbeugen

Aktivitäten, die sich starr wiederholen und keinen Abschluss finden, halten ein hohes Maß an Adrenalin, Cortisol und Endorphinen aufrecht. Der Hund ist dadurch aufgeputscht und kommt schlecht bis gar nicht mehr runter und zur Ruhe.

Genau das ist der Fall beim Ballwerfen. Ein optischer Reiz wird gehezt und apportiert, also zurückgebracht, nur um direkt wieder weg zu fliegen, wird wieder gehetzt, apportiert, fliegt wieder und immer so fort.

Solche Hunde werden buchstäblich von Menschen in die Sucht getrieben. Balljunkies, die nur noch das eine Ding im Kopf haben. Oftmals sind sie vollkommen wahllos darin, wem sie es vor die Füße spucken, damit es wieder geworfen wird. Diese Hunde sind voll drauf, daueraktiviert, kommen nicht mehr innerlich zur Ruhe.  Und das ist Menschen gemacht.

Beim Hetztangeln erlegt dein Hund essbare Beute und erlebt einen körperlichen und psychischen Abschluss seines Tuns. Derselbe Beutel wird nicht  wieder und wieder gehetzt. Der Magen darf sich voll füllen. So wie es die Natur vorgesehen hat.

Sei vorbereitet

Damit dein Hund sich beim hetzten nicht verletzt, gib ihm die Gelegenheit, seine Muskulatur ausreichend aufzuwärmen, und seinen Kreislauf zu aktivieren.

Geht gemeinsam eine längere Strecke zum Hetzt-Ort. Nutze keine harten Böden, wie Asphalt, sondern weiche, natürliche Untergründe, wie Gras oder Sand oder Waldböden.

Baue Hundernisse ein, so dass dein Hund anhalten muß, um nach zu denken, anstatt nur monoton zu rennen.

Mehrwert für eure Beziehung

Durch die Begeisterung am Hetzen, teilst du mit deinem Hund Freude am gemeinsamen Tun. Das stärkt euer Wir-Gefühl und nährt eure Verbindung. Ihr erlebt für den den Hund etwas hoch attraktives miteinander, statt dass er alleine einem Ball nachjagen muß, den er weder am Ende verspeisen kann, noch der ihm gibt was er braucht: Verbundenheit.

Sonst, da gebe ich dir mit deinen Bedenken absolut Recht, entsteht Sucht – auf der Suche sein nach etwas, wo eine Leere ist und auch bleibt. So erschaffen wir Leid und Mangel. Nicht aber Freude und Verbundenheit in der Autonomie und Selbstwirksamkeit gleichermaßen gelebt werden können.

Porträt Christine LU. Surma

Autorin: Christine LU. Surma

Ich unterstütze Menschen dabei, eine echte Beziehung zu ihrem Hund aufzubauen. Für ein entspanntes Miteinander, eine klare Kommunikation und tiefes Vertrauen.
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